Interview mit Pia Camponovo

Pia, Du feierst Dein 40. Jubiläum im Baseltor - wie fühlt sich das an? 
In der heutigen Zeit sind solche Jubiläen ja nicht mehr angesagt. Treu sein ist eher altmodisch. Aber naja, ich bin nicht mehr jung. Aber ich koche immer noch gerne und brauche zwischendurch auch diesen «Stresskick».

Wie bist Du damals zur Genossenschaft gestossen? 
Ich war vor 40 1/2 Jahren im damaligen Löwen essen. Für mich war das eine super Welt: exotisches Essen, ein wahnsinnig schönes Lokal, lockerer Service, die Angebote auf Wandtafeln mit der superschönen Schrift von Bettina Marbach, eine der Gründerinnen. Ich war total fasziniert und habe mich überwunden, nach einem Job zu fragen. Die Küche war schrecklich alt und die Gestalten furchteinflössend für mich. Trotzdem habe ich gefragt und sofort eine Antwort gekriegt: ich könne beginnen! Aber der Lohn war damals zirka 9 Franken die Stunde. Ich habe mich darauf nicht mehr gemeldet. Sie haben mich aber im Aargau ausfindig gemacht und so habe ich innert kurzer Zeit meinen Wohnort gewechselt.

Hast Du immer in der Löwen- resp. Baseltor-Küche gearbeitet oder hast Du auch mal andere Bereiche ausprobiert?
Im Löwen habe ich bald jeden Samstag gemeinsam mit Franz Wolf im Service gearbeitet. Und auch in den Anfangszeiten des Baseltor war ich im Service tätig.

Deine Speisen haben orientalische und marokkanische Einflüsse - woher kommt das? Welchen Bezug hast Du zu diesen Regionen? 
Vor 26 Jahren reiste ich das erste Mal nach Marokko, da Armin Riegert, einer der Mitgründer der Genossenschaft, immer geschwärmt hat und auch seine exotischen Speisen von Marokko inspiriert waren. Ich gehe seither jedes Jahr im November nach Marokko - und manchmal mache ich gleich noch einen kleinen Kochkurs. Es tut mir jetzt schon weh, dass es dieses Jahr wahrscheinlich nicht geht! Die Liebe zu südfranzösischen Speisen habe ich Lisa Probst zu verdanken. Auch sie ist Mitgründerin der Genossenschaft.

Was kochst Du am liebsten? Hast Du eine Leibspeise? 
In der Zwischenzeit mache ich am liebsten Gemüse.

Im Baseltor kommen vor allem lokale und saisonale Zutaten sowie Fleisch vom Bio-Hof auf den Tisch. War das schon immer so? Wurde das bewusst entschieden? 
Im Löwen war das noch nicht aktuell. Aber im Baseltor bestand Christine Walther, eine langjährige Mitarbeiterin, auf Bio-Fleisch. Das haben wir vor zirka 25 Jahren eingeführt. Und wir verwenden so viele lokale Zutaten wie möglich. Aber ich bin kein Fundi. Deshalb gibt’s auch beim Gemüse Ausnahmen.

Die Genossenschaft ist in den Jahren stets gewachsen, neben «Solheure» und «Salzhaus» kam 2017 auch noch die «La Couronne» dazu - hat es Dich nie gereizt, in einen der anderen Betriebe arbeiten zu gehen? 
Für mich gibt es nur die Baseltor-Küche. Ich bin halt eine kleine Langweilerin.

Hast Du einen Lieblingsplatz im Baseltor? 
Ich geniesse die Stille am Feierabend hinten im Garten auf dem Riedholzplatz.

Gleich zwei Jubilarinnen: Küchenchefin Pia Camponovo feiert 40 und Köchin Dzevaire Kadrijevic 20 Jahre Baseltor.
 
Wir bedanken uns bei den beiden herzlich für Einsatz, Arbeit und die Treue während all diesen Jahren!